Was bedeutet autonome Bewegungsentwicklung?

„Ist es nicht sonderbar, dass er (der Säugling) ständig etwas anderes tun muss, als was ihm behagt. Übt er Bewegungen in Rückenlage, so drehen wir ihn auf den Bauch, bewegt er sich auf dem Bauch, setzen oder stellen wir ihn auf. Steht er, so führen wir ihn bei den Händen, damit er gehen lernt“
(Pikler, 1940).

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Bei uns ist das nicht so. Wir bringen das Kind nur in die Positionen, welche es aus eigener Kraft und eigenem Antrieb bereits geschafft hat. Konkret bedeutet dies, dass das Kind von uns die Zeit und den Raum bekommt, sich die wesentlichen Entwicklungsstufen der Bewegungsentwicklung selbst zu erarbeiten und eine Bewegung so lange ausprobieren zu dürfen, bis es sich von selbst etwas Neues zutraut. Dadurch entwickelt das Kind Selbstbewusstsein, Selbständigkeit und Geschicklichkeit. Nicht wann ein Schritt erreicht wird ist von Bedeutung, sondern wie und in welcher Reihenfolge. Der Säugling lernt im Laufe seiner Bewegungsentwicklung nicht nur das Drehen, Rollen, Kriechen, Sitzen und Gehen, sondern er lernt das Lernen.

Sich mit etwas zu beschäftigen, an etwas Interesse zu finden, zu experimentieren und Schwierigkeiten zu überwinden lernt das Kind ebenso, wie sich und seine Leistungen adäquat einzuschätzen. So kommt es durch die Freude über die eigene Leistung zu einem gesunden Selbstvertrauen und einem hohen Maß an Zufriedenheit.

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Die Bewegungsentwicklung erfolgt vollkommen eigenständig, ohne das Eingreifen durch uns Erwachsene. Eine Förderung, welche die vielen notwendigen Übergangsstufen und die wochen- und monatelangen Zwischenräume verkennt, läuft Gefahr, den Säugling bzw. das Kleinkind in eine Bewegungsunsicherheit zu bringen, die zu muskulären Verspannungen, Haltungsschäden, Fußdeformitäten oder Ähnlichem führen kann.

Wir müssen Kinder nicht dazu ermutigen sich zu bewegen, sie bewegen sich von selbst, aus einem inneren Drang in einem fort, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

 

Vielmehr verstehen wir unsere Aufgabe darin, jedem Kind genügend Freiraum (Raum, Unterlage etc.) einzuräumen, sich gemäß seinem Entwicklungsstand zu bewegen und es nicht durch unvorteilhafte Kleidung in irgendeiner Form einzuschränken.

Es liegt uns sehr am Herzen, Ihnen als Eltern ebenso diese wundervolle Haltung gegenüber ihrem Kind in Bezug auf die autonome Bewegungsentwicklung zu vermitteln, da diese

  • viel Freude und Gelassenheit mit sich bringt,
  • gesund für ihr Kind ist
  • und die Eltern- Kind- Beziehung bereichert, da es keinen Leistungsdruck gibt.

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Im Haus ist eine Vielzahl von Bewegungsmaterialien nach Emmi Pikler und Elfriede Hengstenberg zu finden, die sowohl in den Gruppenräumen, als auch im Bewegungsraum zum Einsatz kommen.

All diese Materialien sind kombinierbar und dienen als vielseitige und bewegliche Bauelemente. Somit bieten sie den Kindern die Möglichkeit, sich Bewegungslandschaften zu bauen, die sie in ihrem eigenem Zeitmaß und eigener Dynamik erkunden dürfen und die der Entfaltung ihrer Geschicklichkeit und Bewegungsfreude Raum geben.

„Ich lasse die Kinder also grundsätzlich selbständig forschen und entdecken...und bereite Gegenstände und Geräte vor, die die Kinder verlocken, damit zu experimentieren.“
(E. Hengstenberg)

Die Kinder erleben sich in ihrer ganzen Körperlichkeit. Indem sie sich barfuß bewegen, begreifen sie über ihre Fußsohlen die unterschiedlichen Oberflächen und entdecken die Lebendigkeit ihrer Zehen, die für einen sicheren Halt sorgen.

Wir geben den Kindern Sicherheit durch unsere Anwesenheit, wir geben zu keiner Zeit Anweisungen und vermitteln: „Tu nur das, was du dir selbst zutraust und lass dir Zeit dabei“.

All diese Erfahrungen werden die Kinder in ihren Alltag übertragen können: Wie verhalte ich mich, wenn es wacklig wird? Wie falle ich? Ich kann zurückgehen, wenn ich mir zu viel zugemutet habe! Ich kann mir Zeit lassen!

 

Warum sind wir alle das ganze Jahr über barfuß?

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Bei uns benötigt Ihr Kind keine Hausschuhe, da Barfußlaufen wesentliche Säule unseres Konzeptes ist. Barfuß ist keine Option sondern Pflicht! Sowohl Kinder als auch pädagogische Mitarbeiter sind das ganze Jahr über barfuß – im Garten ebenso, solange es die Wetterverhältnisse zulassen. Zum einen ist die Unfallgefahr beim Gehen, Rennen und vor allem Klettern und Balancieren für die Kinder sehr gering. Zum anderen gibt es sehr viele Gründe, warum Kinder ohne Schuhe gesünder unterwegs sind:

Barfüßiges Gehen kräftigt die Fuß- und Wadenmuskulatur und wirkt sich günstig auf die Körperstatik aus.

Zudem fördert das Gehen mit nackten Füßen den Gleichgewichtssinn und die koordinativen Fähigkeiten- es zeigt nachhaltig positive Wirkungen in Bezug auf die sensorischen und motorischen Fähigkeiten von Kindern.

Beim Barfußgehen werden die Anpassungsprozesse in der Thermoregulation des Körpers gefördert, weil der Körper dem Wärmeentzug über die nackten Füße entgegenwirken muss. So wird das Immunsystem gestärkt und die körpereigenen Abwehrkräfte gefördert.

Barfüßig Gehen ist eine hervorragende Form, die Wahrnehmung des eigenen Körpers zu trainieren (Propriozeption) und verringert das Risiko von Fußschäden (Spreizfuß, Senkfuß, Plattfuß).

Und deshalb gibt es im gesamten Haus auch Fußbodenheizung, aber keine Strumpfhosen!

 

Warum sollte Ihr Kind nur bequeme Kleidung tragen?

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Die Kleidung soll nicht schick, sondern bequem und funktional sein. Die Kinder dürfen durch zu enge und unpraktische Kleidung (Gürtel, Hemden, Strumpfhosen etc.) nicht in ihrer Bewegungsfreiheit und ihrer Selbständigkeit eingeschränkt werden. Deshalb bitten wir um Leggins oder Jogginghosen statt Jeans, Sweatshirts an Stelle von Hemden.

 

Warum darf Ihr Kind keine Haarspangen o.ä. tragen?

Sowohl Krippen- als auch Kindergartenkinder dürfen keine Haarspangen, Haarreife, Ketten, Ohrringe oder ähnlichen Schmuck tragen. Wir arbeiten grundsätzlich hausübergreifend und früh morgens und am Nachmittag treffen sich Kinder im Alter von 6 Monaten und 6 Jahren im offenen Bereich. Zum einen könnten sich die Kinder bei Stürzen verletzen, zum anderen wird an Halsketten und Ohrringen gerne gezogen, Haarspangen verloren und eventuell von kleineren Kindern verschluckt. Erlaubt sind Haarbänder und Haargummis.

 

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